Piraten sind ja bekanntlich Leute, die sich ungeachtet von Eigentumsrechten Dinge aneignen, die Ihnen nicht gehören. Nun stellt sich die Frage, ob eine Partei, die den Begriff "Piraten" im Namen führt, ebensolche Ansinnen zum politischen Programm macht. Je mehr ich das Parteiprogramm und die Pressemeldungen dieser "Piraten" lese, umso suspekter werden sie mir.
Eigentlich verstehe ich mich selbst als sehr liberal und weltoffen. Das zieht sich über Jahrzehnte durch mein Leben und meine Arbeit. Medien, Intenet, Kommunikation auf vielen Wegen, alles ok und wesentlicher Teil meines Daseins. Ebenso das Verlassen eingetretener Pfade, Neues ausprobieren und auch mal ganz kräftig querdenken.
Doch mit den Politpiraten habe ich inzwischen ernsthafte Probleme. Waren sie mir anfangs sehr symptisch, so zweifele ich doch mit jedem Statement aus dieser Richtung zunehmend an deren klarem Menschenverstand. Mal ganz abgesehen von deren höchst seltsamen Verständnis von Drogenpolitik, kommen mir auch heftigste Bedenken, wenn ich die aktuellen Verlautbarungen zum Urheberrecht wahrnehme. Trotz aller Beschönigungsversuche seitens des saarländischen Ablegers liest sich die geplante "Urheberrechtsnovelle" wie die Enteignungskampagne eines kommunistischen Staates.
Schon sehr witzig, aber schwer hinkend im Vergleich, schreibt deren Pressesprecher Thomas Brück, man hätte ja auch dem Erfinder des Automobils nicht verboten, dies zu erfinden um den Betrieb der Pferdekutschen nicht zu gefährden. Pardon lieber Herr Brück, aber so an den Haaren herbeigezogen haben selbst die grünen Fundis der 1980er Jahre nichts.
Im Urheberrecht geht es nicht darum, neue Techniken zugunsten alter Techiken zu verhindern oder umgekehrt. So ganz verstehen kann man Ihre Argumentation ja wirklich nicht. Insbesondee nicht, weil es aktuell ja nicht um neue Techniken geht. Es geht darum, von Urhebern geschaffene Werke vor Diebstahl zu schützen. Dass z. B. mit dem Internet neue Möglichkeiten des Diebstahls entstanden sind, ändert ja nichts an den legitimen Ansprüchen der Urheber.
Wenn wir vergleichen, dann bitte richtig, nämlich so: Der Bäcker an der Ecke backt Brötchen, verkauft diese und erzielt einen Gewinn, von dem er und seine Angestellten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Nehmen wir nun an, die Piraten haben Hunger und wollen diesen stillen. Doch anstatt die Brötchen zu kaufen, nehmen sie welche ohne zu bezahlen und verzehren sie. Und weil auch andere Hunger haben, verteilen Sie noch Brötchen an andere. Nennen wir das nun unvermeidbaren Fortschritt oder Diebstahl?
Letztendlich erschaffen Schriftsteller, Musiker und andere Künstler ihre eigene Art von "Brötchen" und müssen von ihrer Arbeit leben. Da geht es nicht an, dass wer auch immer sich darüber hinweg setzen will, sie angemessen zu bezahlen. Gut, was die Urheberabgaben auf Geräte angeht, kann ich den Piraten noch bedingt folgen. Aber keinen Millimeter weiter.
Da helfen auch keine noch so bescheuerten (sorry, aber so emfpinde ich das nun mal) Pressemeldungen, um die verkorksten Ansichten im Parteiprogramm zu beschönigen. Ein Parteiprogramm, das man den Bürgern in der Presse auch noch so lang und breit erklären muss, taugt nichts, weil es nicht verstanden wird. Entweder sollen die Piraten verständliches Deutsch reden oder es einfach lassen.
Tillo