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Feiern und Wunden lecken - eine kleine Analyse
Montag, den 15. August 2011 um 09:00 Uhr

Ob bei der Dillinger CDU die Sektkorken geknallt haben, ist bisher nicht überliefert. Aber gefeiert wurde sicher, denn man hatte den eigenen Kandidaten für das Bürgermeisteramt, Franz-Josef Berg, sicher und souverän durchgebacht. In CDU-Kreisen gab es zu keiner Zeit Zweifel daran, dass ihr Kandidat seine zweite Amtszeit antreten werde. Völlig anders dürfte es gestern bei der SPD gewesen sein. Grund zum Feiern gab es sicherlich keinen. Alle Anstrengungen der vergangenen Monate waren umsonst, die teils hohen Erwartungen geplatzt wie eine Seifenblase. Zu deutlich war das Wahlergebnis, als dass noch ein Funken Freude aufkommen konnte.

Nachdem man nun eine Nacht über das Wahlergebnis geschlafen hat, geht es ans Wundenlecken. Zwar zeigen sich einige Unentwegte in der SPD immer noch hoch zufrieden mit dem Ergebnis, aber die Mehrzahl äußert schon klar ihre Enttäuschung. An der Niederlage der SPD-Kandidation gibt es auch nichts zu deuteln. Der politische Gegner hat gut die Hälfte mehr an Stimmen für sich gewinnen können. Das ist ein klares Ergebnis, das man auch nicht mit Vergleichen wegreden kann.

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Petra Berg gratuliert Franz-Josef Berg zum Wahlsieg (Foto:Borens)

Petra Berg erklärte nach der Wahl, sie sei mit dem Ergebnis sehr zufrieden, denn schließlich habe sich die SPD seit den Kommunalwahlen von 29 auf über 40 Prozent verbessert. Doch dieser Vergleich hinkt, ja er ist sogar unzulässig. Kommunalwahlen sind eine ganz andere Situation. Dort treten mehrere Parteien an. Historisch haben Kommunalwahlen auch eine deutlich höhere Wahlbeteiligung. Bei solchen Wahlen stehen durchweg die Parteien im Vordergrund des Bürgerinteresses.

Eine Bürgermeisterwahl ist ganz anders zu bewerten. Hier stellen sich nur zwei Parteien oder besser, zwei Personen zur Wahl. Das Bügerinteresse konzentriert sich dann auch mehr auf die Personen und weniger auf die dahinter stehenden Parteien. Es gehen vornehmlich die Anhänger der Parteien zur Wahl, die Kandidaten aufgestellt haben. Wähler anderer Parteien oder Unentschlossene sowie so genannte Wechselwähler bleiben eher zuhause. Allerdings lässt die Quote von knapp 42% für die SPD-Kandidatin vermuten, dass sie doch aus diesen Lagern viele Stimmen bekommen hat, denn alleine durch die eigene Klientel hätte die SPD dies nie erreichen können.

Franz-Josef Berg spielte Vorteile aus

Franz-Josef Berg und seine Taten, ob gut oder nicht, waren beim Wahlvolk bekannt. So konnte er für sich verbuchen, im Park die Hecken geschnitten und ihn weitgehend aufgeräumt zu haben. Ebeso, dass der Lokschuppen, eigentlich ein von der SPD angestoßenes Projekt, in seiner Amtszeit der Nutzung zugeführt werden konnte. Dabei war es den Bürgern wohl egal, dass das Umfeld alles andere als einladend daherkommt und die versprochenen Ausbaumaßnahmen noch immer nicht begonnen wurden.

Auch, dass die Innenstadtsanierung noch immer nicht in trockenen Tüchern ist, scheint man ihm nicht verübelt zu haben, denn schließlich fiel in seine Amtzeit die Modernisierung des Pachtener Kirchplatzes und weitere kleinere Aufhübschungen in den Stadtteilen.

Der Tenor war durchweg: "Warum sollen wir jemand andern wählen? Franz-Josef hat seine Sache doch gut gemacht." Nun denn, ob und wo er etwas gut gemacht hat und und wo nicht, wollen wir hier auch nicht diskutieren.

Der Stallgeruch fehlte einfach

Petra Berg hatte es da schon erheblich schwieriger. Sie konnte weder etwas vorweisen, was Sie in Dillingen schon getan hatte, noch ist sie das, was man in Dillingen als "Dillingerin" versteht. Sie ist zwar in Diefflen geboren und aufgewachsen. Aber - und jetzt kommt es - sie wohnt und arbeitet in Nalbach. Würde sie zumindest in Dillingen wohnen, könnte man ihr das als Pluspunkt anrechnen. Warum soll man also eine von außerhalb als Bürgermeisterin küren, die bislang in der Hüttenstadt völlig unbekannt war? Ihr fehlte ganz einfach der für die Mehrzahl der Wähler unentbehrliche Stallgeruch.

Der Amtsinhaber konnte eine lange Liste seiner Taten vorlegen und machte in den Wahlkampfanzeigen reichlich Gebrauch davon. Dass einige Dinge mit auf die Liste rutschten, für die er als Bürgermeiter sicher nichts konnte, fiel offensichtlch keinem auf oder man tolerierte es einfach.

Seine Kontrahentin musste sich mangels solcher Nachweise auf teils sehr imaginäre Sachverhalte und Ideen verlassen. Diese verständlich und vor allem so in die Öffentlichkeit zu transportieren, dass sie nachhaltig wirken konnten, schien ihr allerdings ziemlich misslungen zu sein.

Wähler zeigten sich teils überfordert mit SPD-Kampagne

Meinen vielen Gesprächen mit Bürgern in den Monaten vor der Wahl war deutlich zu entnehmen, dass man mit den "akademischen" Anzeigen im frühen Wahlkampf kaum etwas anfangen konnte. In den letzten Wochen störten sich viele Wahlbürger an der Flut von Anzeigen, die weder ein klare Linie noch ein verständliches Konzept erkennen ließen.

Ja, sympatisch und nett fand man die Nalbacherin. Ist sie ja auch. Aber das reicht wohl nicht, um eine solche Wahl gewinnen zu können. Dabei geht es um Befindlichkeiten. Zur "zugereisten" Kandidatin persönliche Beziehungen aufzubauen fiel den meisten Dillingern eher schwer. Tausende Hausbesuche und einige Feierabendtreffs konnten die Hürde offensichtlich auch nicht einreißen.

Letztendlich wurden auch Stimmen laut, die hinterfragten wieso die Dillinger SPD keinen "eigenen" Kandidaten hatte aufstellen können. Fehlt es ihr an geeigneten Personen? Was hatte die SPD überhaupt veranlasst, sich im Umland umzusehen? Fragen die dem Wähler bisher nicht beantwortet wurden.

Franz-Josef Berg tat im Wahlkampf nur das Nötigste, das aber konsequent. Eine Auflistung dessen, was sich in seiner Amtszeit Positives in der Stadt getan hatte, eine Empfehlungsliste und die obligatorischen Hausbesuche. Er hatte es auch nicht nötig, sich noch bekannt zu machen.

Insgesamt war das Wahlergebnis nicht überraschend. So dürfen die Dillinger Bürger nun darauf hoffen, dass die nächste Amtszeit von deutlich mehr Erfolg gekrönt sein wird, als die nun ablaufende. Schließlich sind in den vergangenen acht Jahren die wirklich großen Dinge, die unsere Stadt voran bringen sollen und die teils schon seit zwei Jahrzehnten diskutiert werden, fast gänzlich liegen geblieben.

 
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