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Haben Sie Ihren Frisör schon verklagt?
Donnerstag, den 02. September 2010 um 16:45 Uhr

Ich erinnere mich noch an die Zeiten, als man sich recht oft einen Spaß daraus machte, seine Freunde nach dem Frisörbesuch mit der Frage zu veräppeln: "Hast Du ihn auch schon verklagt?" Nun wollte ich mir kaum vorstellen, dass dies heute noch ein Thema sein könnte. Frisöre gibt es immer noch an jeder Ecke. Und ich war seit ewigen Jahren zufrieden mit dem, was diese Zunft tat.

Mehrere der mir bekannten Haarkünstler sind inzwischen in Rente oder ruhen gar schon auf dem Friedhof. Da waren manche "Spezialisten" darunter, die nicht mehr als zwei oder drei Schnitte drauf hatten. Aber man konnte sich mit dem, was sie fabrizierten immer auf die Straße trauen.

Als mein langjähriger Haarschneider vor einigen Jahren seinen Job aus Altergründen aufgab, suchte ich in den umliegenden Salons nach einer neuen Möglichkeit, meine Haare geschnitten zu bekommen. Nach zwei oder drei Versuchen hatte ich dann einen Salon gefunden, in dem gegen bezahlbares Geld ordentlich geschnitten wurde. Nein, kein Billigheimer, sondern ein alteingessener Laden mit Fachkräften.

Kürzlich stand ich dann aber unvermittelt auch dort vor verschlossenen Türen. Man hatte kurzfristig dicht gemacht. Da ich überfällig war mit dem Haarschnitt und unbedingt wieder salonfähig aussehen wollte, führten mich meine Schritte zu einem anderen Frisörladen wenige Meter weiter. "Der etwas andere Frisör" sollte das sein. Ok, aber was anders war, sah ich nicht sofort. Ein Laden wie tausend andere. Preise auch wie alle anderen. Also rein und hingesetzt.

Während eine ältere Dame an meinen Haaren schnippelte, stellten sich erste Vermutungen ein, was das "etwas andere" an diesem Laden sein könnte. Jedenfalls überlegte ich ernsthaft, wann und wo diese Dame das Haareschneiden erlernt haben könnte. Während dessen schippelte sie emsig, mal hier mal dort, einen konkreten Plan schien sie jedoch nicht zu haben.

So wies ich sie mehrfach dezent auf die eine oder andere Stelle hin, die auch in den Schnitt mit einbezogen werden könnte. Nun, sie mag ja etwas planlos gearbeitet haben, aber die Haare auf eine vernünftige Länge zu bekommen, sollte ihr doch möglich gewesen sein. Nach guten 20 Minuten mit Schere, elektrischem Haarschneider (wohl ihr Lieblingswerkzeug) , Föhn und Nackenpinsel war es dann soweit. Ok, es sah ja halbwegs brauchbar aus.

Ich zahlte und verließ den Laden. Nach wenigen Minuten traf ich Bekannte und die sahen mich etwas merkwürdig an. Keine Ahnung was die hatten. Kurz danach traf ich auf gute Freunde. "Warst Du beim Frisör?" kam es mir prompt entgegen. "Jo!" antworte ich knapp. "Na, die Klage wirst Du aber gewinnen!" Hä? Den alten Witz kannte ich doch schon.

Zuhause gab es ebenfalls erstaunte und zweifelnde Blicke. Ich ging ins Bad und schaute mir die Frisur an. Diesmal mit viiiiel Licht und zwei seitlichen Spiegeln. So langsam dämmerte mir, warum meine Mitmenschen seltsam drauf waren. Eine Schläfe lag fast blank, die andere war noch recht üppig behaart. Hinten seitlich schien die Haarakrobatin doch nicht das eine oder andere Büschel erwischt zu haben. Im Laden war noch alles fein und glatt geföhnt. Doch der leichte Wind draussen hatte genau diese Stellen aufgestellt und ich sah mehr nach einen leicht zerzausten Igel aus.

Tja, was ab ist, ist ab. Die Überstände fielen dann aber doch noch der familieneigenen Schere zu Opfer. Auch die Schläfen wurden in Heimarbeit so weit wie vertretbar angeglichen. So hoffte ich auf meinen überaus intakten Haarwuchs, der das Dilemma sicher in knapp zwei Wochen auf natürlich Weise beseitigen würde.

Zum nächsten Haarschnitt werde ich also wieder einen neuen Dienstleister suchen müssen. Dem "etwas anderen Frisör" gebe ich sicher nicht mehr die Ehre, nachdem ich nun weiß, wie dessen Slogan verstanden werden muss.

 

 

 

 

 

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